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Rückenleiden sind zu einer Volkskrankheit geworden - Tendenz steigend:  In allen westlichen Industrieländern nehmen die absolute Zahl und der prozentuale Anteil von Rückenleidenden am Gesamtspektrum der Krankheiten ständig zu.

Dabei begleiten Rückenschmerzen jeglicher Art den Menschen, seit es ihn gibt: Vor etwa zwei Millionen Jahren stellten sich die ersten Affenmenschen von vier auf zwei Beine, und damit begann das Dilemma, denn der aufrechte Gang war von der Natur nicht vorgesehen, als sie den biegsamen Knochenstab Wirbelsäule als tragendes Element des Körpers schuf. Für den auf zwei Beinen gehenden Menschen ist die Wirbelsäule eigentlich eine Fehlkonstruktion.

Die normale Wirbelsäule des gesunden Menschen besteht aus 24 freien, d.h. beweglich miteinander verbundenen Wirbeln: 7 Hals-, 12 Brust- und 5 Lendenwirbel, sowie 5 zum Kreuzbein und 4 bis 5 zum Steissbein verschmolzenen, nur noch rudimentär vorhandenen Wirbeln. Die 24 freien Wirbel bleiben prinzipiell ein Leben lang beweglich, sie sind in Grösse, Form und Funktion zwar unterschiedlich, das Bauprinzip ist aber grundsätzlich gleich. Vorne oder ventral liegt der Wirbelkörper, ein kompaktes, tonnenförmiges Knochenstück, dessen äussere Anteile aus kompaktem Knochen bestehen. Innen befindet sich spongiöses Knochenmark. Dorsal, d.h. hinter dem eigentlichen Wirbelkörper erstreckt sich der Wirbelbogen, zusammen begrenzen sie das grosse Wirbelloch. Da die Wirbel passgerecht übereinander gestapelt sind, entsteht so durch die untereinander liegenden Wirbellöcher der Wirbelkanal.

Die knöchernen Strukturen der Wirbel weisen zusätzlich noch eine Reihe von Fortsätzen auf: die Dornfortsätze, in der Mitte der hinteren Wirbelbögen gelegen, sie werden als harte Knoten in der Mitte des Rückens  als sog. Rückgrat sicht- und tastbar. Die Gelenkfortsätze, hinten seitlich oben und unten am Wirbelbogen gelegen, stellen die Verbindung benachbarter Wirbel untereinander her. Schliesslich die Querfortsätze, die nur an der HWS eine nennenswerte Rolle spielen, da durch sie hindurch die seitlichen Halsschlagadern, die Aa. Vertebrales verlaufen, an Brust- und Lendenwirbelsäule erkennt man lediglich kleine, im wesentlichen funktionslose seitliche Knochenausläufer. An der BWS gibt es in diesem Bereich noch die gelenkigen Verbindungen zu den Rippen, diese fehlen an HWS und LWS.

Ausser durch die sog. kleinen Wirbelgelenke, die von den Gelenkfortsätzen gebildet werden, sind die Wirbelkörper durch knorpelige Zwischenwirbelscheiben, die Bandscheiben, miteinander verbunden. Diese elastischen Bindegewebsscheiben bestehen aus einem derben äusseren Ring aus Faserknorpel, dem Faserring oder Anulus fibrosus, und einem weichen, inneren gallertartigen Kern, dem Nucleus pulposus. Derartige Bandscheiben gibt es mit Ausnahme der Verbindung von 1. und 2. Halswirbel zwischen allen freien Wirbeln, sowie zwischen dem 5. Lendenwirbel und dem oberstem Kreuzbeinwirbel.

Eine grosse Zahl fester und elastischer Bindegewebsbänder zwischen den einzelnen knöchernen Strukturen sowie die kleinen und grossen Muskeln der Rückenstrecker stabilisieren seitlich und hinter den Wirbeln gelegen die Wirbelsäule, ermöglichen ihre Aufrichtung und verhindern im Normalfall ein Verschieben der einzelnen Wirbellöcher gegeneinander. Dadurch wird das Lumen des Wirbelkanals offengehalten. Hierin verläuft das Rückenmark, das Hauptstromkabel des menschlichen Organismus.  Umgeben von den harten und weichen Rückenmarkshäuten, zwischen denen  als weiteres Polster noch das Nervenwasser, der Liquor cerebrospinalis, zirkuliert, reicht das Rückenmark beim Erwachsenen vom grossen Hinterhauptsloch, wo es aus dem Hirnstamm hervorgeht, bis etwa in Höhe des 1. bis 2. Lendenwirbels herab, bei Kindern vor dem Längenwachstum, das die Knochen stärker als das Rückenmark betrifft, sogar bis zum 4. Lendenwirbel.

Der zentrale Nervenstrang des Rückenmarks verbindet die Zentrale, also das Gehirn, mit dem Rest der Welt, d.h. alle nervösen Verbindungsbahnen zwischen Peripherie des Körpers und zentralem Steuerorgan laufen hier zusammen. Die grosse Zahl der hier verlaufenden Nervenfasern steuern die Beweglichkeit der Organismus ("Motorische Nervenfasern"), leiten Empfindungen aller Art zum Hirn weiter ("Sensible Nervenfasern") und koordinieren die unwillkürlichen, d.h. dem Willen entzogenen Steuerungsvorgänge des sympathischen und parasympathischen Nervensystems ("Vegetative Nervenfasern").

Nervenfasern aller drei Qualitäten zusammengefasst bilden jeweils die peripheren Nerven, sie entspringen als sog. Nervenwurzeln aus dem Rückenmark, ventral die motorische Vorderwurzel, dorsal tritt die sensible Hinterwurzel ins Rückenmark ein. Die extramedullären, d.h. ausserhalb des Rückenmarks, aber noch innerhalb des Wirbelkanals und der Rückenmarkshäute verlaufenden Nervenwurzeln vereinigen sich seitlich im Zwischenwirbelloch im sog. Spinalganglion, distal davon verlassen sie als Spinalnerven den Rückenmarkskanal. Dabei ist die Anordnung rechts und links symmetrisch. Da das Rückenmark allerdings kürzer ist als der Rückenmarkskanal, ist der intraspinale Verlauf von oben nach unten zunehmend länger, unterhalb des unteren Rückenmarksendes, des Conus medullaris in Höhe BWK12/LWK1 finden sich dann nur noch die Spinalnerven im Wirbelkanal. Dieses Nervenwurzelbündel erinnert an einen Pferdeschwanz und hat daher seinen Namen, Cauda equina.

Ausserhalb der Wirbelsäule bilden die Spinalnerven im Bereich der HWS, der LWS und des Sacrums Nervengeflechte, die Plexus: Pl. cervicalis, Pl. lumbalis und Pl. sacralis, aus denen dann weiter distal (oder peripher) die peripheren Nerven des Armes, bzw. von Becken und Bein hervorgehen. An der BWS existiert ein solches Geflecht nicht, hier zieht jeder Spinalnerv distal des Ganglions als Intercostalnerv unterhalb der zugehörigen Rippe um die Brustwand nach ventral.

Die Funktion der peripheren Nerven ergibt sich aus dem gemischten Charakter der in ihnen vorhandenen Nervenfasern, einerseits leiten sie die Nervenimpulse aus den Motorischen Zentren der Hirnrinde, nachdem diese im Rückenmark abgestiegen sind, weiter an die willkürliche Muskulatur. Sie steuern also die Bewegungen des Menschen. Andererseits übermitteln sie die von den Rezeptoren der Haut aufgenommenen Sinnesreize wie Temperatur, Druck, Berührung oder Schmerz weiter zum Rückenmark, in dem diese Impulse zur Hirnrinde aufsteigen, wo sie dem Menschen bewusst werden. Aus dieser Beschreibung der physiologischen Funktion ergibt sich dann im weiteren leicht das Muster pathologischer Funktionsstörungen: Die Impulsleitung zwischen cerebraler Steuerungszentrale und peripherem Erfolgsorgan sowie distalem Rezeptor und proximaler Empfindung kann auf jeder Ebene des langen Weges gestört oder ganz unterbrochen werden. Je nach Lokalisation der Läsion fallen dann Beweglichkeit einzelner Muskeln und Sensibilität begrenzter Hautareale aus, wenn der periphere Nerv gestört ist. Irritationen des Spinalnerven oder der Nervenwurzeln führen zu einem "radikulären" Schädigungsmuster, wobei ein streifenförmiger Hautbezirk und eine ganze Muskelgruppe betroffen sind. Ein Schaden im Bereich der Nervenbahnen des Rückenmarks schließlich führt zu einem querschnittsartigen Krankheitsbild: Alle Funktionen, die jenseits der Schadensstelle am Rückenmark gelegen sind, weisen mehr oder weniger grobe Abweichungen von ihrer normalen Aktivität auf, im Extremfall einen vollständigen Funktionsverlust, die komplette Querschnittslähmung.

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(c) Dr. J. Janus

Letzte Aktualisierung: 29.03.2017